Ist uns doch Wurst!

Alle Jahre wieder. Mindestens so verlässlich wie der Weihnachtsmann beschert uns spätestens fünf Monate später der Handel einen reichen Gabentisch voller Grillwürste, Grillschnecken und Bratlinge, der jedes Jahr auch ein bisschen üppiger gedeckt ist.

0
2180

Und das ist gut so, denn Gusto und Ohrfeigen sind bekanntermaßen verschieden, außerdem will der verwöhnte Wurst-Sommelier schließlich Abwechslung zwischen den Zipfeln. So ist das einzig Beständige in der Wursttheke die Veränderung, selbst die Kaliber der convenienten Grillwürste sind den Strömungen der Zeit unterworfen, variieren zwischen dem Fingerfood im Format der Nürnberger Rostbratwürste und der XXL-Size der Riesenbruzzler. Für beide gibt es gute Argumente. Sind doch die Kleinen schneller zubereitet, dann auch schneller essbar und ungemein handlich, das richtige Futter für hungrige Kinder also. Die Großen hingegen bewahren auf Rost und Teller wesentlich länger ihre Fasson und glatte Haut, bleiben lange warm und saftig. Neben der Modellpflege bestehender Grillwürste gibt es aber eben auch heuer wieder ein paar neue Errungenschaften, die wir unbedingt ausprobieren wollten. Nicht einfach mit Brot und Senf, sondern mit einer Garnitur, die jeweils zum Charakter der Wurst passt und dem hohen handwerklichen Anspruch dieses praktischen Fastfoods gerecht wird, das seit der Antike unsere Grillkultur prägt.

Käsekrainer. Die Käsekrainer der Weinviertler Fleischhauerei Hofmann ist beileibe nicht die erste ihrer Art, die in den Kühlregalen der Supermärkte zu finden ist. Ganz im Gegenteil gibt es diese dort von allen möglichen Herstellern und in allen möglichen Erscheinungsformen. Wie zum Beispiel neuerdings auch als Grillschnecke (von Radatz). Neu ist jedoch, dass die Hofmann´sche Käsekrainer als Handwerksprodukt nun nicht nur in den Filialen der Niederösterreicher, sondern auch im Lebensmittelhandel zu finden ist. Und das mit gutem Grund, denn dieses Prachtexemplar einer Käse- Ein scharfes Abenteuer im Kühlregal Mit Cayenne Pfeffer, Jalapena und Chili. www.krainer.cc krainer hat im vorigen Herbst von Österreichs profundester Fachjury und der Fachzeitung PRODUKT den „PRODUKT Champion“ in der Kategorie Klassik errungen. Im Blindvergleich mit den besten Käsekrainern des Landes wohlgemerkt.
Wir haben uns aus dieser Feiner-Krainer einen Hot Dog der Sonderklasse gebaut. Als Brötchen kam das knusprige Bio-Roggenbaguette von Felber zum Einsatz, in dem wir mit einem Kochlöffelstiel den Raum für die Käsekrainer schafften. Und als adäquaten Senf haben wir uns eine eigene Mischung fabriziert: zu gleichen Teilen norwegischer Lachssenf (es geht aber auch Weißwurstsenf), Dijonsenf und Sauerrahm. Abgeschmeckt mit etwas frischem Pfeffer und einer Prise Salz.

Heißer Feger. Diese gedrungenen Bratwürste vom steirischen Traditionsbetrieb F. Krainer verdienen ihren Namen völlig zu Recht. Reichlich gewürzt mit Cayennepfeffer, Jalapeño und anderen Chilisorten, könnten sie gemessen an der Schärfe genauso gut aus Lateinamerika oder Pakistan stammen, die fleischliche Grundlage der südsteirischen Scharfmacher stammt jedoch wie immer aus der Region. Auch diese Würste sind also „echte Steirer“, wie der Wahlspruch des Unternehmens lautet. Wer bewusst zu diesem Produkt greift, der mag es pikant und scharf. Aber trotzdem haben wir als passende Begleitung die mildere der beiden Ajvar-Sorten gewählt, die Podravka im 350g-Glas. anbietet. Diese fruchtige Sauce aus Kroatien mit Paprikaschoten und Auberginen als Grundlage passt perfekt zu den Heißen Fegern und nimmt ihnen sogar etwas von ihrem harten Punch. Ein paar Frühlingszwiebeln und ein Edel-Wachauer komplettieren unseren Serviervorschlag.

Rindsbratwurst. Und noch eine Neue von Hofmann: Das relativ grob gewolfte Brät dieser Wurst wird gemeinsam mit grob geschrotetem Premium-Pfeffer und Pistazienstückchen in Naturdärme gefüllt – und das wars dann schon. Dieses Produkt könnte nämlich genauso gut Steakwurst heißen – denn es besteht tatsächlich zum Großteil aus hochwertigem Rindfleisch und kommt auch wie ein Steak auf den Grill, nämlich völlig roh. Das bringt einen unnachahmlich fleischigen Geschmack, der mit der edlen, aber spartanischen Würze hervorragend harmoniert. Einziger Wermutstropfen ist die relativ kurze Haltbarkeit des ultrafrischen Produktes, das deshalb nur in den Filialen des Weinviertler Familienbetriebes erhältlich ist. Passend zum Steakaroma dieser Grillwurst haben wir sie auch mit Beilagen serviert, die genauso gut zu einem saftigen T-Bone passen würden. Also Braterdäpfel und sautierte Zwiebeln, obendrein dann noch etwas frisch geriebener Kren.

Der Currywurst-Brunnen. Bei Gourmetfleisch geht es auch um die Wurst. Um die Edelvarianten der Rostbratwurst nämlich, die man dort als „Extrawurst“ bezeichnet. Nördlich des Weißwurstäquators versteht man nämlich unter diesem Begriff ganz etwas anderes als in unseren Breiten. Während die austrophile „Extra“ in etwa mit der dortigen Fleischwurst vergleichbar ist, erhalten Bratwürste der gehobenen Qualität diese Bezeichnung in Deutschland als besonderes Prädikat.
So ist auch jene „Extrawurst Classic“ der Gourmetfleisch-Metzgerei in Mönchengladbach, die im Paket mit dem Currywurst-Brunnen ausgeliefert wird, eine sehr hochwertige Vertreterin dieser Gattung. Sie wird vollständig ohne Geschmacksverstärker oder künstliche Aromen aus hochwertigem Rind- und Schweinefleisch hergestellt – und bleibt auch nach dem forcierten Grillen herzhaft und saftig, wie wir uns selbst überzeugen konnten. Denn mit dieser Wurst führten wir unseren erfolgreichen Test des Currywurst-Brunnens durch. Für noch höhere Ansprüche haben die Edelfleischer aber auch noch die „Extrawurst Iberico“ sowie die „Extrawurst Black Angus“ im Programm. Eine sehr witzige Idee des Gourmetfleisch- Teams ist die Umwidmung eines Schokobrunnens in einen Katarakt für die außergewöhnliche Zubereitung einer Currywurst. Wofür man eine Rostbratwurst, Käsewurst oder was immer man mag, knusprig röstet, in appetitliche Happen schneidet, aufspießt und dann im Stile eines Fondues mit der Ketchup-ähnlichen Sauce überzieht. Zum Schluss kommt noch eine ordentliche Portion Currypulver drauf, damit die Wurst ihren Namen verdient, und fertig ist das nahrhafte Gesellschaftsspiel. Natürlich mussten wir das gleich ausprobieren und haben unserem Nachwuchs dafür einige Extrawürste gebraten… Und wenn sie nicht gestorben sind, dann essen sie noch heute.

Übrigens: VW verkaufte 2015 wieder einmal mehr Currywürste als Autos. In seiner Fleischerei am Firmensitz im deutschen Wolfsburg produzierte das Unternehmen nämlich im Vorjahr über 7,2 Millionen Currywürste. Das waren um fast eine Million mehr als im Jahr davor (6,3 Millionen Stück). Hinzu kamen 608.028 Kilogramm Gewürzketchup, so eine Sprecherin des Unternehmens. Zu kaufen gibt es sie nicht nur in den eigenen Kantinen und im Werksverkauf, sondern auch über den Einzelhandel. Auf den Verpackungen steht der Hinweis „Volkswagen Originalteil“. Der Absatz der VW Pkw sank 2015 hingegen im Kielwasser des Abgasskandals von 6,12 Millionen auf 5,82 Millionen Autos. Vielleicht bahnt sich da ein Branchenwechsel an?