Bock auf BBQ

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Dass just zur Smoker-Hauptsaison im Winterhalbjahr auch die Bockbiere wieder in die Getränkestraßen des Lebensmittelhandels finden, trifft sich wirklich ausgezeichnet. Denn gerade zu den rauchigen und intensiven Aromen des Barbecue passen die ebenfalls geschmacksintensiven Starkbiere nicht nur theoretisch sehr gut, wie wir bei unserer Verkostungsrunde im Oktober hocherfreut feststellen konnten, sondern praktisch womöglich noch besser.
Manche der „Foodpairings“ mit unseren im Pellets-Smoker über sechs Stunden geräucherten Spare Ribs haben uns sogar regelrecht überrascht und verdienen das Prädikat „genial“. Einige der Böcke wurden solcherart sogar zu den Lieblingstieren der Redaktion, wenn es um die fachgerechte Begleitung von klassisch gesmokten Karreerippchen geht. Und obwohl wir es bei dieser Verkostung ganz bewusst nicht auf ein Ranking abgesehen hatten, sondern gerade die individuellen Unterschiede besonders spannend fanden, werden wir natürlich auch da ein wenig aus der Grillschule plaudern. Insgesamt hatten wir jedenfalls 14 verschiedene österreichische Bockbiere für Sie im Glas – und jedes davon einmal pur verkostet und dann gemeinsam mit unseren Rippchen. Und sollte Ihnen vielleicht das eine oder andere Bier in unserer Auswahl fehlen, dann liegt das daran, dass im Oktober noch nicht alle Böcke im Handel erhältlich waren. Aber wir hatten auch so schon genug zu tun. Unser ausgesprochen positives Fazit: Das Qualitätsniveau der österreichischen Bockbiere ist beeindruckend. Es gab keinen einzigen negativen Ausreißer, alle Biere überzeugten als Solisten, die meisten auch im kulinarischen Paarlauf – jedoch mit deutlichen spezifischen Unterschieden.
Die Rippchen hatten wir übrigens vor dem Räuchern trocken über Nacht in dem Universalrub „Magic Dust“ mariniert und im Smoker mit 110°C „low & slow“ mit Hickoryholz geräuchert.

FOHRENBURGER
Bock
Hat geschmacklich wenig mit einem Bockbier zu tun, ist trotz 7,2 Vol.-% Alkohol elegant und sehr süffig, überaus angenehm zu trinken. Passt recht gut zu den Ribs, aber ebenso zu anderen Speisen, entpuppt sich als idealer Universalist.
EDELWEISS
Gamsbock
Das einzige Weißbier unter den Bockbieren dieser Runde ist mit seinen 7,1 Vol.-% Alkohol sehr elegant, leicht herb und mit sortentypischen Bananentönen. Als Solist ganz hervorragend, aber mit den Ribs kommt keine echte Synergie auf. Unser Tipp: Optimal sicher gemeinsam mit einer gegrillten Weißwurst oder Leberkäse.
GÖSSER
Bock
Ein typisches Gösser und sicher die Wahl der Märzen-Fraktion. Trotz 7,1 Vol.-% Alkohol etwas weniger Körper als andere Bockbiere, trinkt sich sehr leicht. Zum BBQ ein harmonischer Partner, wenn man es eher süffig mag.
GRIESKIRCHNER
Weihnachtsbock
Ein kräftiges, herbes und klassisches Bockbier mit 7,1 Vol.-% Alkohol und leichter Tendenz
zur Süße. Gemeinsam mit den Ribs lautet das Urteil: Passt gut, oberes Mittelfeld.
BRAUEREI HOFSTETTER
Heller Bock saphir
Ein sehr kräftiges Bockbier mit 7,4 Vol.-% Alkohol, angenehmer Herbe und großer Kraft, die bereits an Pale Ale erinnert. Mit den Ribs geht es zwar etwas unter, doch als Begleiter von Hühnchen, Fisch oder Meeresfrüchten vom Grill kann es sicher punkten.
PUNTIGAMER
Winterbier
Ein sehr angenehmes, harmonisches und etwas leichteres Bockbier mit 6 Vol.-% Alkohol. Es hat absolut keine Ecken und Kanten, ist auch optimal als Solist. Mit den Ribs geht es etwas unter, da stiehlt das Fleisch dem Bier definitiv die Show.
STIEGL
Stieglbock
Alleine getrunken ein schönes Bockbier mit außergewöhnlicher Kraft, einer angenehmen Hopfennote, leichter Herbe und 7 Vol.-% Alkohol. Interessanterweise passt der Stieglbock aber nicht wirklich zu den Ribs und fällt diesbezüglich etwas ab.
ZIPFER
Stefanibock
Trotz 7,1 Vol.-% Alkohol rinnt dieses Bockbier sehr leicht in die Kehle und erinnert an ein Märzenbier. Aber auch dieses Bier geht gemeinsam mit dem geräucherten Fleisch etwas unter, hat dafür zu wenig Körper.
Und hier nun die Favoriten der Redaktion:
BRAUEREI GRATZER
Diana
Ein etwas leichteres, aber umso harmonischeres Bier mit schöner Karamellnote, einer daraus resultierenden beinahe lieblichen Süße und 6,9 Vol.-% Alkohol. Diese Geschmackswelt passt ganz ausgezeichnet zu den BBQ-Ribs und deren Würzung, auch der Körper des Bieres ist damit in einer guten Balance. Ähnelt dem Ludwig aus der gleichen Brauerei.
EGGENBERGER
Urbock
Ein ausgesprochen kräftiges, sehr rundes und geschmacksintensives Bockbier mit 9,6 Vol.-% Alkohol. Auffallend die Honignote, die nicht nur für Harmonie mit dem BBQ sorgt, sondern das Bier insgesamt sehr spannend macht. Für uns ein ganz toller Solist für meditative Stunden, aber auch ein wirklich kongenialer Begleiter unserer Rippchen.
BRAUEREI HOFSTETTEN
Granitbock
Dieses Bockbier mit 7,3 Vol.-% Alkohol besticht mit einer schönen, dunklen Farbe, enorm viel Kraft, einer völlig eigenen, hopfigen Note mit bitterwürzigem Abgang – fast wie ein guter Amaro. Kann sehr gut mit den Ribs, die Aromen ergeben hier eine sehr erfreuliche Allianz.
EGGER
Bockbier
Das einzige Bockbier in der Dose entpuppte sich mit seinen 7,2 Vol.-% Alkohol als besonders süffig, würzig und ausgewogen, mit überaus feiner Hopfennote. Trotz seiner entspannten Trinkbarkeit kann es dem rauchigen Fleisch aber genug Körper entgegenhalten und ist eine gute Wahl für dezente BBQ-Begleitung.
HORNY BETTY
Brauerei Gusswerk
Ein hochinteressantes, wuchtiges Bockbier mit einem Alkoholgehalt von 9 Vol.-%, einem auffälligen Karamellton und einer insgesamt hohen Intensität. Alleine einfach super, zu den Ribs gut bis sehr gut. Noch besser vielleicht zu gegrilltem Gemüse.
BRAUEREI GRATZER
Ludwig
Ein dunkles, volles, malziges Bockbier mit schöner Karamellnote und 7,2 Vol.-% Alkohol, aber trotzdem mit der nötigen Würze und Bitterkeit gesegnet. Fand mit den Ribs eine auffällige Stimmigkeit, bestimmt eines der besten BBQBiere, die wir kennen.
Bockbier historisch
Der historische Ursprung dieser Biergattung liegt in der ehemaligen Hansestadt Einbeck in Niedersachsen. Mit der Vergabe des Stadtrechts 1240 durch die Söhne Heinrichs des Löwen war auch ein Braurecht für die Bürger verbunden. Das im Mittelalter gebraute, obergärige Bier galt seinerzeit als begehrenswerte Luxusware und wurde über weite Strecken, unter anderem bis nach Italien, exportiert. Um für die lange Reise notwendige Haltbarkeit zu erreichen, braute man es mit einem ungewöhnlich hohen Stammwürzegehalt, was automatisch ein schweres, alkoholreiches Bier zur Folge hatte. Der herzögliche Hof der Wittelsbacher in München ließ sich seit 1555 direkt aus Einbeck beliefern, bis man 1573 das erste bayerische Hofbräuhaus zunächst auf der Landshuter Burg Trausnitz gründete und 1589 nach München verlegte, um selbst Bier zu brauen. 1614 wurde der Braumeister Elias Pichler von Einbeck vom Münchner Hofbräuhaus abgeworben, der fortan sein „Ainpöckisch Bier“ in München braute. In der Münchner Mundart wurde daraus im Lauf der Zeit die Bezeichnung Bockbier. Übrigens: Der Begriff „Starkbier“ ist wesentlich jünger, er kam erst im 20. Jahrhundert auf.