Die Grillmaschine

PROBIEREN GEHT ÜBER STUDIEREN. UNTER DIESEM MOTTO HABEN WIR AUCH DIESMAL WIEDER EINIGE INTERESSANTE PRODUKTE FÜR SIE GETESTET.

0
2809

Genesis ll – die neue Generation der beliebtesten Oberklasse- Gasgrillerfamilie von Weber ist technisch ein revolutionärer Schritt – oder eigentlich mehrere. Denn neben dem Design wurden auch die technischen Grundlagen massiv verbessert. Das Kürzel „GS4“ steht dabei für die neue leistungsfähige Infinity-Zündung, völlig neu gestaltete Hochleistungsbrenner mit „High+“-Funktion, die überarbeiteten Flavorizer-Aromaschienen und das neue Fettauffangsystem.
Die Infinity-Zündung sorgt dafür, dass das Gas bereits einfach durch das Drehen des Bedienknopfs entzündet wird. Die neuen Brenner wiederum besitzen eine spezielle Form, die einen kontinuierlichen Gasstrom von vorn nach hinten gewährleistet. Und mit der Hitzeeinstellung High+ kann man bei einzelnen Brennern die verfügbare Hitze sogar noch zusätzlich erhöhen. Serienmäßig sind bei allen Gene- Genesis ll LX E-440 GBS Die Grillmaschine sis ll-Modellen übrigens auch ein modularer Gussrost für Webers GBS-System sowie ein klappbarer Warmhalterost, der in lotrechter Stellung als Halterung für die Komponenten des Elevation- Systems von Weber dient.
Außerdem sind alle Genesis ll mit dem Funkthermometer iGrill 3 kompatibel, der direkt am Seitentisch montiert werden kann bzw. sogar soll. Den technisch sehr ähnlichen iGrill2 hatten wir ja diesmal ebenfalls im Test. Zugleich aber wurde die neue Produktrange preislich sogar demokratisiert, das günstigste neue Genesis-Modell ist jetzt bereits um knapp € 800,- zu haben – mit zwei Brennern und dem neuen Grillsystem GS4 wohlgemerkt. Das ist nicht mehr allzu weit über den Weber Spirits positioniert, die sonst eine ganze Etage tiefer angesiedelt waren.
Im Test hatten wir jedoch das LX-Modell mit dem vollen Namen „Genesis II LX E-440 GBS“. Unser Wunschkandidat kostet in dieser Konfi guration zwar bereits knapp € 2.300,-, bietet aber eine üppige Grillfläche von 86 x 48 Zentimetern, einen hohen Deckel fürs Spießgrillen, vier High+ Brenner sowie einen Seitenbrenner und einen geschlossenen Stauraum. Aber nicht für die Gasflasche – die findet an einer seitlichen Halterung Platz –, sondern beispielsweise für das umfangreiche Zubehör, das es zum GBS-System gibt.

Der Toasttest. Es ist am Grillrost fast immer so: Die mittleren und hinteren Reihen sind optimal, die erste Reihe eines Gasgrills ist immer etwas schwächer temperiert – was der erfahrene Grillmeister aber auch zu nutzen weiß. So auch beim neuen Genesis, dessen neue Brennertechnologie zwar für eine sehr beachtliche Gleichmäßigkeit auf der vollen Breite des XL-Rostes sorgte und auch ganz hinten die volle Leistung brachte, wie uns die Bräunung unserer Toasts schon bei mittlerer Hitze zeigten, aber vorne war der Rost konstruktionsbedingt nicht ganz so heiß.

Der Steaktest. Für den folgenden Steaktest hatten wir zwei Beiriedsteaks von der Fleckvieh-Kalbin erworben, die wir im „New York Style“ rückwärts garen wollten, um das Temperaturspektrum unseres Testkandidaten auszuloten. Beheizt wurden also vorerst nur die beiden äußeren Brenner (mit je etwas 60% Leistung), in der Mitte ergab sich dadurch ein großer Bereich ohne Unterhitze und mit etwa 150°C Garraumtemperatur. Auf den klappbaren Warmhalterost, der ja in Wirklichkeit die heißeste indirekte Grillzone im Gerät ist, platzierten wir unsere Steaks mit dem Temperaturfühler des iGrill2 darin, der uns über die aktuelle Kerntemperatur per Bluetooth-Funk aufs Handy am Laufenden hielt. Um 12.40 Uhr war Start mit 7°C Kerntemperatur direkt aus dem Kühlschrank, um 13.00 Uhr hatten wir bereits 34°C am Display und um 13.07 Uhr kamen die beiden mit 45°C im Kern bereits raus, um bei Raumtemperatur eine Viertelstunde zu rasten. Die Gegenprobe der Temperaturen erfolgte mit unserem Referenzthermometer von Testo und bescheinigte dem iGrill ein sehr hohes Maß an Präzision. Dann haben wir einen der Brenner voll auf die High+ Stellung gedreht, den Gussrost darüber richtig heiß werden lassen und den Steaks darauf bei offenem Deckel ein kräftiges Branding verliehen. Perfekt.

Der Spießer-Test Der massive Drehspieß (Zubehör um € 229,-) ist mit einem ausgesprochen angenehm zu bedienenden, wetterfest gekapselten Elektromotor sowie vier Klammern für zwei Bratenstücke ausgestattet. Um ihn zu testen, haben wir zwei ausgewachsene Poularden mit je rund zwei Kilogramm dressiert und aufgefädelt. Die Roste mussten allerdings raus aus dem Grill, um eine ungehinderte Rotation der großen Vögel zu gewährleisten, auf Tropfschalen verzichteten wir aus diesem Grund ebenfalls. Die beiden Brenner unmittelbar unter den Vögeln haben wir kalt gelassen, jene außen dafür gerade so hoch gedreht, dass der Deckelthermometer um die 170°C gezeigt hat. Denn das Freilandhuhn größeren Kalibers will es eher langsam, um wirklich zart und knusprig zugleich zu werden. Was nach rund zwei Stunden der Fall war.

Sonstiges. Der Seitenbrenner ist kräftig genug, um darauf regelrecht zu kochen, wird aber wohl öfter genutzt werden, um Saucen zu wärmen oder den Grog zu bereiten. Das Fett wird über das neue System ohne Gefahr eines Fettbrandes abgeleitet und in Einweg-Tropfschalen gesammelt, die einfach ausgetauscht werden können. Die Griffe des Genesis sind auf Knopfdruck beleuchtet und das leistungsstarke LED-Grifflicht leuchtet bei Bedarf den gesamten Grillbereich aus.

Zubehör. Neben dem genannten Drehspieß gibt es einiges an interessantem Zubehör: Um rund € 100,- eine massive, unglaublich schwere Gusseisenplancha mit Porzellanemaillierung, die schon aufgrund ihrer schieren Masse eine ganz ausgezeichnete Temperaturstabilität besitzt, wie wir uns anlässlich unserer aktuellen Burgerverkostung vergewissern konnten. Eine Saftrinne leitet überschüssiges Fett durch ein Loch direkt in die Fettschale.
Der „Sear Grate“ um € 100,- wiederum bringt perfekte Branding- Rauten aufs Steak. Aber auch das modulare Gourmet BBQ System eröffnet eine Vielzahl an Möglichkeiten – vom Wok über den Pizzastein bis zum Dutch Oven. Eine besonders interessante Option, wenn man schon einen GBS-Holzkohlegrill samt Equipment sein Eigen nennt.

Fazit: Ein perfektes Grill-Werkzeug für Menschen mit ernsthaften Ambitionen. Stylish, zuverlässig und bei aller Technik sehr einfach zu bedienen.