Die Null-Nummer

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Bei Liebherr heißt das „Biofresh“, bei AEG „Longfresh“, bei Siemens, Neff und Bosch „vitaFresh“… Gemeint ist immer die knackfrische Kühlung jenseits normaler Kühlschrank- Tieftemperaturen. Denn wenn dort von 5 bis 6 °C die Rede ist, sind bestenfalls Durchschnittswerte gemeint. Aufgrund der Luftschichtung entstehen nämlich unterschiedliche Kältezonen von etwa 3 bis etwa 9 °C, manchmal sogar darüber, wenn Außentemperaturschwankungen und Besuchsfrequenz dies stimulieren.
Kalte Luft sinkt im Kühlschrank naturgesetzlich von oben nach unten, daher ist der Bereich über den Gemüsefächern der kühlste. In den Gemüseschalen selbst ist es dagegen etwas wärmer, weil die darüber liegende Platte die Kälte abschirmt. Ebenfalls wärmer sind die Bereiche in der Tür, deshalb bleibt die Butter in ihrem Fach auch relativ streichfähig.
Also sollte man Lebensmittel eigentlich diesem Temperaturgefälle entsprechend einräumen – die gängige Praxis ist jedoch eine ganz andere: Sie werden da hingestellt, wo gerade Platz ist. Für Dinge, die sehr bald gegessen werden, ist das kein Problem, für Heikles aber sehr wohl. Und dazu zählen unter anderem Frischfl eisch, Wurst und Fisch, aber auch Blattsalate, Kräuter und Pilze.

Forever young. In Kühlgeräten mit einer Null-Grad-Zone können solche Lebensmittel im Idealfall um ein Vielfaches länger und vor allem mit wesentlich höherem Frischegrad aufbewahrt werden. Dort herrscht nämlich eine Temperatur knapp über dem Gefrierpunkt und selektive Luftfeuchtigkeit. Eher trocken – bis zu 50 % Luftfeuchtigkeit – für Fleisch, Fisch und Käse, satte 95 % mögen hingegen Obst und Gemüse. So bleibt der Salat wirklich knackig und die Extrawurst extra appetitlich. Zudem werden Vitamine, Nährstoffe und Mineralstoffe weit länger erhalten. Eingelagerte Lebensmittel sollten ansonsten luftdicht verpackt werden und sind dadurch bei niedriger Luftfeuchtigkeit vor der Austrocknung und vor Geschmacksübertragungen geschützt.
Bei Nullgrad-Geräten der Siemens-Gruppe heißen diese unterschiedlichen Bereiche übrigens „trocken“ und „taufrisch“, bei Liebherr werden die Laden je nach Widmung „DrySafe“ und „HydroSafe“ genannt – beide sind getrennt steuerbar. In letzterem sollte das Gemüse übrigens möglichst unverpackt aufbewahrt werden, um von der feuchten Ultrafrische wirklich zu profi tieren. Und von Liebherr gibt es – vorwiegend für den gewerblichen Einsatz – auch mannshohe Kühlschränke, die zur Gänze den Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt gewidmet sind. Nicht selten sind solche Geräte in den Haushalten ambitionierter Griller, Hobbyköche, Jäger und Fischer zu finden.

Präzisionskühlung. Mehr noch als in normalen Kühlschränken ist bei dieser Technik die Präzision der Temperatursteuerung gefragt. Denn Temperaturschwankungen sind fatal: Fällt sie nur ein, zwei Grad nach unten, frieren die Lebensmittel an, was manchmal mit Qualitätseinbußen verbunden ist. Schwankt sie hingegen nach oben, werden bei längerer Lagerung enzymatische Prozesse und der Verderb gefördert.
Die genaue Temperatur ist im Idealfall sogar für einzelne Bereiche getrennt regelbar. Denn will man etwa noch Steaks etwas reifen, so wird man das bei etwa 2 °C tun, für Fisch und Meeresfrüchte wiederum sind konstante minus zwei Grad optimal, um tagelang Sushi-Frische zu bewahren. Und Südfrüchte wie Ananas und Papaya etwa mögen Feuchtigkeit und um die 6–10°, um die Abbauprozesse zu bremsen, aber dennoch den vollen Geschmack zu bewahren. Bei null Grad hingegen werden diese Früchte ebenso verlässlich ruiniert wie Gurken, Erdäpfel, Bananen oder Paradeiser. Für diese Lebensmittel ideal ist eine sogenannte „Kellerzone“ zwischen 8 und 12°, wie sie manche Geräte ebenfalls bieten.

Vertrauenssache. Wichtig ist also eine verlässliche Elektronik, die man sich wohl eher von Markengeräten als von No-names erwarten kann. Einstellbarkeit und Konstanz der Temperatur ist zudem auch selten in Produkttests zu finden, sondern erweist sich vielmehr in der Praxis. Die Null-Nummer ist also eher nix für den Diskonter, sondern Vertrauenssache.
Ein weiteres Kriterium, dem meist zu wenig Augenmerk geschenkt wird, ist das Licht, das uns aufgeht, wenn wir die Kühlschranktüre öffnen. Dieses sollte erstens energiesparend sein (LED ist da unschlagbar) und zweitens auch illuminieren, wenn der Kühlschrank gerammelt voll ist.

Apropos Energie. Ein moderner, großer Kühlschrank der A+++ Klasse verbraucht deutlich weniger als ein kleiner der A+Klasse. Und diese Energieeffizienz-Klassifizierung reicht sogar hinunter bis zur energieverschlingenden Klasse D, bei Weinkühlschränken sogar bis G.
Auf dem durch die EU seit Ende 2011 zwingend vorgeschriebenen Energielabel ist aber nicht nur das abzulesen, sondern auch der tatsächliche Jahresstromverbrauch per anno. In kompakter Form finden sich dort außerdem weitere wichtige technische Daten, wie zum Beispiel der Nutzinhalt des Gerätes und die maximale Geräuschentwicklung in Dezibel. Das ist dort ein besonders wichtiger Wert, wo die Küche offen an den Wohnbereich grenzt. Denn ein laut brummender Kühlschrank wird dort leicht zur Nervensäge.

Frische Daten als App
Liebherr bietet eine kostenlose App für iPhone- und Android-Handys sowie neuerdings auch als iPad- Version mit erweiterten Features. Diese „BioFresh- HD-App“ ist ein nützlicher Ratgeber, mit dem noch im Supermarkt die optimale Kühlung und Lagerung von 130 Lebensmitteln gecheckt werden kann. Über die detaillierte Darstellung der Lebensmittel können schnell und einfach alle Informationen zu Gemüse, Obst, Fleisch, Fisch und Milchprodukten geliefert werden. Kurz und verständlich wird sogar die Wirkung von enthaltenen Vitaminen und Mineralien für den täglichen Bedarf erklärt.