Freiluft – Küchen

Wer kann, der wohnt bei Schönwetter bevorzugt im Freien. Und wer dann noch mehr kann, der kocht auch noch dort.

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Die Karriere des Grills in unseren Breiten ist durchaus beachtlich. Noch vor nicht allzu langer Zeit meist eine schlichte Feuerstelle mit Rost am Rost, dann die ersten Qualitätsgeräte mit Deckel und Steuerungsmöglichkeiten auf unseren Terrassen. Und heute gibt es bereits eine ganze Armada an guten und noch besseren Geräten, um mit Feuer groß aufzukochen. Und die Preise eines solchen Premiumgerätes werden auch längst nicht mehr wie einst an jenen der Garten-Deko gemessen, sondern allmählich an der direkten Konkurrenz – also den Küchengeräten.

Parallel zur Entwicklung der Technik und des Gerätestandards stiegen aber auch die Ansprüche an deren Resultate: Mit teilverkohlten Würstchen und trockenen Karbonaden ist heute kein Blumentopf mehr zu gewinnen. Im Gegenteil ist die Erwartungshaltung an die Feuerköche völlig zu recht groß – denn keine andere Küchentechnik kann prinzipiell mit einem echten BBQ oder einem Steak vom Gusseisen-Searing mithalten. Kein Wunder also, wenn sich der Grillmeister auch unter freiem Himmel die Infrastruktur einer funktionellen Küche ersehnt.

Vorbildwirkung. Und die Neue Welt hat es uns ja vorgemacht: Grillen ist dort Lifestyle, eine Outdoor-Küche samt passender Patio in der modernen amerikanischen, kanadischen und australischen Einfamilienhaus-Architektur ein so selbstverständlicher Bestandteil wie Garage und Master-Bedroom. Und auch immer mehr alpenrepublikanische Griller mit ausreichend Ambition, Platz und Budget erfüllen sich diesen Traum vom „schöner Grillen“. Wobei dieser Traum prinzipiell schon mit einer sehr kleinen, improvisierten Outdoor- Küche realisierbar ist. Ein ordentliches Grillgerät, ein solider Arbeitstisch, ein Gartenschlauch mit Gardena-Anschluss und eine Kühlbox mit Eis – fertig ist die Garten-Kochnische.
Wer aber dann eher meint „wenn schon – denn schon!“ sollte sich erst mit einer Reihe von Fragen auseinandersetzen, die im Zuge der Planung und Realisierung einer Outdoor-Küche unweigerlich auftauchen:

Der Standort. Eine Außenküche macht nur dort Sinn, wo die Wege zum Essplatz kurz sind, wo aber auch ein entsprechender Schutz vor Wind und Wetter gegeben ist. Nicht umsonst sind überdachte Terrassen in den USA Standard. Planen Sie also zumindest eine großzügige Überdachung (bitte mit ausreichender Höhe) ein, wenn Sie Ihre Küchenmodule nicht ständig einhüllen oder putzen wollen. Außerdem sollte der Standort auch solide fundamentiert und winterfest sein, der Belag (wie in jeder Küche) leicht zu reinigen.

Der Platzbedarf. Die Unterkante sind hier wohl fünf Quadratmeter, mehr ist natürlich besser. Bei der Planung des „Workflow“ sollten Sie sich einfach an modernen Indoor-Einbauküchen orientieren – mit deutlich mehr Platz für den „Herd“, also Ihren Grill und weitgehendem Verzicht auf Oberschränke.

Die Anschlüsse. Strom ist in der Regel kein Problem, Wasser in die Küche zu bekommen auch selten. Es hinauszuschaffen dann schon eher, denn ein Kanalanschluss ist oft schwierig herzustellen. Alles sollte im Grunde auch frostsicher verlegt werden bzw. zu entleeren sein. Und wenn Sie mit Gas grillen wollen, könnten Sie auch über einen Erdgas-Anschluss nachdenken, denn die meisten Premiumgeräte sind dafür umrüstbar.

Die Materialien. Bei den verwendeten Materialien für die Fronten einer Freiluft-Einbauküche reicht das Spektrum von robustem Holz (wie Eiche oder Teak) über Edelstahl bis zu Sichtmauerwerk und ist weitestgehend Geschmackssache. Die Arbeitsplatte jedoch muss den großen Temperaturschwankungen der Jahreszeiten sowie den Niederschlägen und Verunreinigungen am meisten entgegen setzen können. Nur sehr dichtes Steinmaterial (hochwertige Granite), Keramik oder Edelstahl kommen hier in Frage. Und da für eine Außenküche andere Gesetze gelten als innerhalb der vier Wände, gibt es auch für nützliche Details und Accessoires – wie Papierrollenhalter, Folienabroller – oder auch Schubladen, Unterschränke und Abfalleimer eigene, weitgehend wetterfeste Lösungen, zumeist aus Edelstahl. Nicht anzuraten ist hingegen – auch bei völliger Überdachung der Küche – konventionelle Küchenmöbel im Außenbereich zu verwenden. Durch die Schwankungen der Temperatur und der Luftfeuchtigkeit würden sich diese nämlich bereits bald in ihre Bestandteile zerlegen bzw. zu schimmeln beginnen.

Die Geräte. Für den fixen Einbau ist eigentlich nur das Beste gerade gut genug. Denn nichts ist lästiger, als eine fertige Außenküche wieder zerlegen zu müssen. Bei mobilen Modulen macht das auch wenig Spaß, ist aber immerhin leichter zu bewerkstelligen. Herz der Außenküche ist natürlich das Grillgerät, das in den meisten Fällen mit Gas befeuert wird, aber auch in Holzkohle- Ausführungen erhältlich ist. Da es in der Outdoor-Küche auch die Funktion des Backofens übernimmt, sollte es entsprechend dimensioniert sein und auch für das Grillen am Spieß geeignet sein. Neben einem soliden Grillrost, sind auch Grillplatten von Vorteil, auf denen kleinteiliges Gargut bzw. auch Spiegeleier, Crêpes etc. gebraten werden können. Und wenn Sie in Ihrem Grill auch räuchern wollen, ist eine eigene Räucherbox für die Späne bzw. Chunks von Vorteil. Zusätzlich zu dem Grillgerät benötigen Sie aber auch noch einige separate Kochstellen bzw. ein Kochfeld und/oder einen Wok-Brenner. Der Kühlschrank ist ein wunder Punkt der Außenküche. Denn einerseits muss er auch bei sehr hohen Außentemperaturen klaglos arbeiten und – wenn fix eingebaut – andererseits auch frostfest sein, wenn er im Freien überwintert. Da wir noch keinen Hersteller gefunden haben, der beides gleichermaßen garantiert, empfiehlt sich hier eine mobile Lösung.
Neben einer großformatigen Spüle besitzt eine Outdoor-Küche im Süden der USA natürlich auch einen Geschirrspüler. Das ist tatsächlich empfehlenswert, wenn die normale Küche weit von dem Essplatz im Garten entfernt ist. Vor dem Winter sollte dieses Spülgerät jedoch gründlich entleert werden, um Schäden zu vermeiden.