Roast Beef

Alle Straßen führen nach Rom – aber nur wenige zu einem erstklassigen Roastbeef. Gemeinsam mit dem Grazer Edel-Metzger und Grilltrainer Josef Mosshammer haben wir drei grundverschiedene, aber garantiert erfolgversprechende Teilstücke und Zubereitungsmethoden am Rost ausprobiert.

0
5539

Was in Deutschland „Flaches Roastbeef“ genannt wird, heißt hierzulande „Beiried“ und ist tatsächlich jenes Teilstück, das am häufigsten für den speziellen Rindsbraten Verwendung findet, den unsereiner mit diesem Begriff verbindet. Im Unterschied dazu bezeichnet man den Rostbraten in Deutschland als „Rundes“ oder auch „Hohes Roastbeef“. Nicht aber in Großbritannien, wie man meinen könnte, denn dort heißt dieses Teilstück „Forerib“ und wird kaum für die Zubereitung eines kalten Bratens ins Auge gefasst. Sehr wohl aber die Hüfte („Rump“) und mitunter auch das „Magere Meisel“ („Chuck Tenderloin“). Wir haben uns für die Niedere Beiried und zwei Teilstücke von der Hüfte entschieden: das Hüferscherzel und ein mit Bacon gebundenes Hüftfilet, die wir auf höchst unterschiedliche Weise zubereitet haben.
Immer aber galt es jenes Resultat zu erreichen, das wir für ein Roastbeef anstreben: köstliche Röststoffe außen sowie im Inneren eine Garstufe, die irgendwo zwischen „medium rare“ und „medium“ angesiedelt ist – also rosa genug, um kräftig und frisch zu schmecken, aber keinesfalls zu roh. Dazu soll ein Roastbeef natürlich mürbe und zart im Biss sein, aber auch stabil genug, um kalt dünn geschnitten zu werden.
Ob man aber jetzt eher die Wassermelonen- Optik oder einen gleichmäßig gefärbten Anschnitt haben möchte, ist erstens Geschmacksache und zweitens auch eine Frage der Methode. Wer ein Roastbeef im Wassermelonen-Stil bevorzugt – also mit starkem grauen Rand und eher blutrotem Kern –, muss bei höheren Temperaturen braten. So 140-160°C am Deckelthermometer sind da schon anzuraten, wobei das Fleisch in der unumgänglichen Rastphase weit stärker nachzieht als bei niedrigeren Gartemperaturen – nämlich bis zu 5°C, was einen enormen Unterschied in der Garstufe ausmacht. Also muss das Fleisch früh genug raus aus dem Grill und zugedeckt langsam rasten oder sogar ganz erkalten, ganz nach Verwendungszweck.
Je nach Teilstück und Fettmarmorierung schwankt die ideale Kerntemperatur eines eben finalisierten Roastbeefs übrigens zwischen 53° und 58°C, wobei wir eher zu den niedrigeren Werten tendieren.

Beiried im Watersmoker. Ein schlanker 47er Watersmoker wurde von Sepp Mosshammer gleich mit dreierlei Brennstoff ausgestattet: Weber Briketts als Basis, in deren Mitte ein „Cobb Stone“ (Kokos) als Glutspender angezündet wurde. Sternförmig kamen noch ein paar Kokos-Stangen von Napoleon obendrein, um eine lange Brenndauer sicherzustellen. Die Wasserschale wurde mit heißem Wasser gefüllt, um die Temperatur nicht abzustechen, die auf etwa 110°C am Deckelthermometer eingepegelt wurde. Gewürzt wurde das Fleisch nur mit grobem Salz und dann auf dem heißen Rost eines Gasgrills rundum kräftig „angeschossen“, um die erwünschten Röststoffe zu erhalten und die Oberfläche zu versiegeln. Dann kam noch gemahlener Pfeffer auf und der Sensor eines Funkthermometers in das Fleisch, dieses selbst auf den Rost des Watersmokers. Gerade einmal 15°C hatte die Beiried zu diesem Zeitpunkt im Kern und brauchte knapp zwei Stunden, um die angepeilten 53°C zu erreichen, zu denen sich in der Rastphase dann noch zwei, drei Grad dazugesellten. Um dem Namen des Gerätes Sinn zu geben, haben wir anfangs natürlich auch eine Handvoll Buchenchips auf die glühende Kohle gestreut, es aber ganz absichtlich dabei nicht übertrieben.

Hüfte am Kugelgrill.Das Hüferscherzel in der Gewichtsklasse von knapp zwei Kilogramm wurde mit frischem Salbei und Meersalz vakuumiert und dann zwei Stunden bei 58°C „sous vide“ gegart. Das funktioniert auch recht gut im Backrohr, wenn man das Teilstück dort in einem Bräter mit Wasser bei niedriger Temperatur gart. Dieses puffert nämlich die unvermeidlichen Temperaturschwankungen eines Haushaltsgerätes ab, wodurch eine zu frühe Denaturierung des Fleisch-Eiweißes vermieden wird. Nach dieser Prozedur hatte die Hüfte bereits eine Kerntemperatur von 55°C, aber eine sehr fahle Farbe und kam daher dann auf den sehr, sehr heißen Gusseisenrost eines Kugelgrills, wo das Fleisch sehr flott intensive Grillmarkierungen bekam, ohne dass sich an der Kerntemperatur dabei viel änderte.

Hüftfilet im Keramikgrill. Das schmale, vom Hüferscherzel getrennte Hüftfilet eignet sich sehr gut für zarte Braten, eine Hülle aus Mosshammer’schem Frühstücksspeck schützte das kleine Teilstück bei unserem Versuch im heißen Monolith vor dem Austrocknen. Dieses Roastbeef wurde nämlich ohne Umschweife und ohne Deflektorstein direkt am Rost des Keramikgrills bei 120°C gebraten, brauchte aber dennoch eineinhalb Stunden, um von 12°C Kerntemperatur auf 53°C zu kommen. Jegliche Würzung erübrigte sich natürlich wegen des Specks, als Brennstoff kam Webers Holzkohle zum Einsatz – im Keramikgrill den Briketts eindeutig vorzuziehen.

Resultate. Ein Selbstversuch ohne eindeutige Sieger – wir mochten und aßen sie alle sehr gerne. Die Unterschiede steckten weniger im Gargrad oder im Biss, sondern in der geschmacklichen Charakteristik der Fleischteile und der jeweiligen Zubereitungsmethode. Das Hüftfilet würden wir beim nächsten Mal vielleicht mit zwei Grad weniger Kerntemperatur bereits aus dem Grill holen, denn irgendwie klettert diese im Speckmantel besonders gerne nach. Und die Beiried war tatsächlich das, was man sich idealtypisch unter einem Roastbeef vorstellt, komplettiert von einer sehr kleidsamen Rauchnote. Am intensivsten im Fleischgeschmack war wohl das Hüferscherzel.

DIE MOSSHAMMERS
Die Mosshammers sind zu siebent – Josef und Brigitte, die Eltern und drei Kinder. Dazu noch 14 Angestellte im erweiterten Familienverband. Und der Name Mosshammer ist in Graz ebenso bekannt wie weiland der Fast-Namensvetter in München. Nur machen die steirischen Mosshammers nicht in Mode, sondern in Genuss.

Denn mitten im Kern der steirischen Landeshauptstadt betreibt die Familie nicht nur ein Fleischergeschäft mit besonderer Reputation und einem appetitanregenden Angebot an Dry Aged Steaks, sondern auch eine florierende Grillschule. Rund 45 Kurse pro Jahr werden dort angeboten, darunter nicht nur Basic-Grillseminare, sondern auch Spezielles wie Wurst-Workshops mit exotischen Rezepturen sowie eine kompetente Teilstückkunde mit Feinzerlegung als Selbsterfahrungstrip. Das Fleisch dazu stammt aus der Region und ist handverlesen. Rindfleisch etwa so gut wie immer von jungen Kalbinnen der Fettklasse 3, was eine ansprechende Marmorierung und zarte Fasern verspricht. Näheres dazu unter www.mosshammer.at.

 

Roast Beef Buddies
Wir mögen Bier und wir lieben Roast Beef. Aber wie gut passt das zusammen? Um dies herauszufinden, versammelten wir uns zu fünft um ein Brett mit fein aufgeschnittenem, kaltem Roast Beef vom Grill und ein Körbchen mit Weißbrot. Dazu neun grundverschiedene Biere aus dem Supermarkt und dem Internethandel. Und haben dabei einige Überraschungen erlebt. Achtet man besonders auf die geschmacklichen Synergien mit Roast Beef, so landeten klassisch österreichische Vollbiere wie Stiegl, Gösser, Wieselburger und auch Adi Matzeks Grillbier in einer ähnlichen Kategorie: zwar nicht perfekt passend, aber durchaus angenehm dazu trinkbar. Worin sich fast alle Tester einig waren: Wieselburger Schwarzbier mit seinen intensiven Röstmalzaromen und der fruchtig erfrischende Geschmack eines Edelweiß Weizenbieres sind mit der milden Geschmackswelt eines Roast Beefs nicht wirklich kompatibel. Erstaunlich gut schnitt hingegen das mexikanische Corona ab. Ohne Zitrone und im Glas serviert, ähnelt es interessanterweise stark dem Stiegl Goldbräu und lenkte von allen getesteten Bieren am wenigsten vom hervorragenden Geschmack des Fleisches ab. Beim hellen Ottakringer wiederum schieden sich die Geister: Für manche war die fruchtige Note mit leichtem Malzaroma eine ideale Ergänzung zum Roast Beef, für andere Tester war das ganz und gar nicht vorstellbar.