Smoke on the water

Bioqualität vom Waldvierter Fleischermeister im Feuerdorf

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Am winterlich stillen Donaukanal in Wien, wo im Sommer eine kunterbunte Gastroszene blüht, steht heuer zum ersten Mal eine temporäre Siedlung, die sich ganz und gar dem Grillen verschrieben hat. Das „Feuerdorf“ des Gastrovisionärs Hannes Strobl – direkt neben der Salztorbrücke in der Inneren Stadt –, mit dem er am 20. Oktober ein neues Zeitalter der urbanen Straßenkultur gestartet hat. Bis März 2017 ist dieses Projekt vorerst einmal geplant, wenn Wien Glück hat, wird’s auch mehr. Denn sonst finden solche Pilot-Innovationen ja eher in Amsterdam, London oder Sidney statt, diesmal steht der Leuchtturm ausnahmsweise in unserer Bundeshauptstadt.

Zehn urige Grillhütten aus Massivholz nach skandinavischem Vorbild sowie ein Salettl mit Bar als Treffpunkt, ein Lager, eine Küche und sehr respektable Toilettenanlagen hat Strobl auf den Asphalt des Gestades gestellt, wo auch die Schiffe für ihre Rundfahrten anlegen. Dieses Feuerdorf ist vor allem ein Feierdorf. Denn für Freundeskreise bis zu zwölf Personen reicht so eine Hütte, soll auch noch die Schwiegermutter und der Rest der Familie mit, nimmt man eben die Nachbarhütte dazu und entfernt mit ein paar Handgriffen die Zwischenwand. Sehr gern gebucht wird diese Location natürlich auch für Firmenevents oder Weihnachtsfeiern. In der Mitte des Raumes steht als zentrales Element ein großer Grill mit schwenkbarem Rost, darüber eine Esse, die nicht nur den Rauch des Feuers, sondern auch so mancher Marlboro sehr effizient an die frische Luft befördert.
Gesessen wird rundum auf einer Bank, so dass jeder in der Runde sein Steak genau im Auge behalten kann. Gegrillt wird nämlich meist selbst, einen Grillmeister gibt es aber auf Wunsch gegen Aufzahlung dazu. Bestellt wird gleich mit der Online-Buchung auf www.feuerdorf.at, wo sechs Themen bzw. Menüs zur Auswahl stehen. Natürlich immer nur eines pro Hütte. Getränke stehen im Cooler bereit, können à la carte geordert werden, und auch Edelteile für den Grill gibt es gegen Aufpreis dazu. Eine Kalbskrone etwa, ein Rinderfilet, ein paar Riesengarnelen, Thunfisch etc. oder auch ein mächtiges T-Bone-Steak mit rund einem Kilogramm, das wir tatsächlich als Extra zu unserem „Patagonien“-Menü bestellt haben, das allerdings auch alleine schon recht umfangreich war: Ciabatta mit Aufstrichen und eine frisch-scharfe Guacamole als Starter, danach gabs Flank Steaks mit Kukuruz, Spieße mit Schweinefleisch, Short Ribs mit Süßkartoffel, Hühnerkeulen mit Coleslaw, Chorizo mit Chili-Bohnen, Gemüsespieße… Alles prima, besonders die Fleischqualität hat uns sehr positiv überrascht. Das Fleisch und dessen Lieferanten hat übrigens Küchenchef Lukas Hittinger ausgesucht, beim Rind ist das Dry Aged Beef in Bioqualität vom Waldviertler Fleischermeister Höllerschmid 48 Tage trocken gereift. Davon könnten sich andere Steakhäuser im wahrsten Sinne eine Scheibe abschneiden. Und auch die Vorbereitung ist professionell und nahezu deppensicher auch für Grillanfänger: Hittinger gart das Steak über zwei Stunden „sous vide“ bei 55° im Wasserbad vor. So muss es dann am Rost nur mehr schön Farbe und Röststoffe nehmen.

Die Preise: Die Miete für eine Hütte für maximal zwölf Personen beläuft sich auf 190 Euro für einen Abend, zu Mittag sind das lediglich 90 Euro. Grillmenüs sind ab 19 Euro pro Person erhältlich, das teuerste kostet 45 Euro pro Nase. Getränke und Desserts werden nach Konsumation abgerechnet. Das Feuerdorf ist an sechs Tagen in der Woche geöffnet. Weitere Informationen und Online-Buchungen auf www.feuerdorf.at.