Frisch, fleischig, steirisch

Die Steiermark ist nicht nur die Heimat knackiger Kronprinz-Äpfel und jene des tiefgrünen Kernöls, sondern auch Schauplatz eines der engagiertesten und erfolgreichsten heimischen Bio-Programme am Frischfleischsektor. Für das Label „Styria Beef“, aber auch für die Bioschiene eines Handelsriesen und für die gehobene Gastronomie wird dort Fleisch der Kategorie Jungrind in einer beneidenswerten Qualität produziert und vermarktet.

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Die Marke „Styria Beef“ steht nicht nur für die Herkunft der meisten Tiere – einige stammen übrigens auch aus den Nachbarregionen in Kärnten und Niederösterreich –, sondern vor allem für eine strikt biologische Produktionsweise sowie die besonders tierfreundliche und naturnahe Mutterkuhhaltung auf Weiden und Almen. Diese Mutterkuhhaltung schreibt etwa vor, dass die Kälber mit den Kühen im Familienverband leben und die Milch direkt bei der Mutter nach Lust und Laune saugen können. Dazu fressen sie schon ab dem zweiten Monat das würzige Gras der Almen sowie etwas Heu und Getreide – alles vom eigenen Hof, gentechnikfrei und biologisch produziert, versteht sich. Verringert sich die Milchmenge am Ende der sogenannten Laktationszeit, wird der Anteil an Raufutter entsprechend größer und auch Kraftfutter zugeflüstert. Futterzusatzstoffe, Wachstumsförderer etc. sind strikt verboten.

Haltung. Von April bis Ende Oktober sind die Tiere bei den Syria Beef-Betrieben tatsächlich durchgehend auf der Weide, in der kühleren Jahreszeit dann im Laufstall mit eingestreuten Liegefl ächzen. Und tagsüber sind sie sogar im Winter oft im vorgeschriebenen Auslauf, denn selbst im Schnee genießen Kühe und Kälber gerne die Bewegung unter freiem Himmel. Die männlichen Kälber werden übrigens schon jung schmerzfrei kastriert, um die Fleischqualität, aber auch das Sozialverhalten positiv zu beeinflussen. Die alljährliche Befruchtung der Mutterkühe übernimmt bei Styria Beef ein Stier auf der Weide und nicht das Instrumentarium des Veterinärs. Diese Stiere sind übrigens der guten Bemuskelung wegen meist Limousin-Rinder, die Mutterrasse ist in der Regel Fleckvieh. Diese genetische Basis sowie vor allem die tierfreundliche und naturnahe Haltung ergeben zusammen mit der speziellen Ernährung und dem jungen Schlachtalter von maximal zwölf Monaten eine ganz besondere Fleischqualität: feinfasrig, bindegewebsarm und gut marmoriert. Und da dieses Fleisch von Haus aus zarter ist als herkömmliches Rindfl eisch, sind auch die Reifezeiten für Kurzbratteilstücke kein Thema. Die vorgeschriebenen zehn Tage Mindestreifung sowie jene Zeit, die das Fleisch portioniert und im Vakuum verpackt vom Schlachthof bis zum Endverbraucher unterwegs ist, reichen in der Regel vollkommen aus.

Fakten und Bezugsquelle

Bereits seit 1994 wird in dieser Region Bio-Rindfleisch produziert, heute liefern die rund 700 Mitgliedsbetriebe des Steirischen Fleischrinderverbandes jährlich etwa 3.500 Jungrinder an einen Schlachthof-Partner, der auch Logistik und Vertrieb für Syria Beef beisteuert. Die Erzeugungsrichtlinien der Marke schreiben strenge Kontrollen und Audits durch zugelassene Kontrollstellen vor, der Weidegang und die Haltung im Laufstall mit ausreichendem Platzangebot sind verpfl achtend. Ein Drittel und manchmal sogar die Hälfte der Bio-Jungrindproduktion der Steirer kommt übrigens als „Bio-Weide-Jungrind“ in die Geschäfte. Ein beachtlicher Teil der Tonnagen wird direkt von den Betrieben vermarktet, denn die steirischen Bio-Bauern liefern in den regionalen Handel, haben aber auch sehr viele Stammkunden, die für das Fleisch der Jungrinder von der Alm mitunter auch
weite Wege auf sich nehmen. Unter www.styria-beef.at findet sich eine Liste jener Direktvermarkter, die Pakete zu 5 und 10 Kilogramm anbieten. Noch einfacher hat man es da als regionaler Gastronom, denn in den steirischen C&C-Märkten der Metro und bei Gastro Haring ist Styria Beef sehr gut vertreten.

Die Bauern

Der Mötschlmeierhof liegt in der Gemeinde Oberaich im Herzen der Steiermark, zwischen den Bezirksstädten Bruck/Mur und Leoben, eingebettet von saftig grünen Wiesen und Feldern. Hier lebt und arbeitet die Familie Panzer seit Generationen – seit der Hofübernahme durch Barbara Lanzer und ihren Mann Thomas sogar ausschließlich biologisch. Das gilt nicht nur für die 40 Fleckvieh-Mutterkühe, den Limousin-Stier und deren Kälber, sondern für die ganze Landwirtschaft. Denn die Lanzers betreiben auch Bio-Ackerbau und vermarkten neben Feldgemüse vor allem Dinkel, Einkorn, Weizen und Roggen.
Vier Kinder zwischen sechs und elf Jahren haben die Lanzers – und diese sollen in Zukunft ebenenfalls „die Möglichkeit haben, auf gesundem Boden, mit unbelastetem Wasser, gesunde Lebensmittel herzustellen“, hat sich die junge Familie schon vor zwölf Jahren vorgenommen und den Betrieb konsequent umgestellt. Dieses Engagement endet auch nicht an den eigenen Grundgrenzen, sondern gilt der gesamten Region. Denn Thomas Lanzer-Breitfuß ist nicht nur ambitionierter Bio-Bauer, sondern auch Obmann des Steirischen Fleischrinderverbandes und Obmann der „Styria Beef“, deren Geschäfte er gemeinsam mit Stefan Eisenbergwerk führt.

Die Region

Der Teil des Murtales, in dem die Jungrinder der Lanzers aufwachsen, ist wie geschaff en für die extensive Weidewirtschaft. Zwischen dichten Wäldern liegen saftige Wiesen und Almen – daher sind hier seit Urzeiten Rinder die wichtigsten Nutztiere und neben der
Milchproduktion hat auch die Rindermast eine jahrhundertealte Tradition. Kleinstrukturierte Bauernhöfe in Streulage prägen das Erscheinungsbild der Landschaft. Die Region ist auch als Bio-Region bekannt, bekennen sich doch viele Bauern hier zu einer rein biologischen Landwirtschaft. Neben der Landwirtschaft bildet auch die Holzindustrie eine wichtige Einnahmequelle.