Weltweit Federführend

Das heimische Maishendl ist dem Genießer ein Begriff. Appetitlich gelbe Haut, zartes Fleisch und delikates Aroma unterscheiden es vom Allerweltshuhn. Aber auch die Haltung der Masthühner ist in Österreich weltweit federführend.

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War es in den 1960er Jahren noch ein exklusives und recht seltenes Vergnügen, ein Huhn auf dem Teller zu haben, ist der Konsum von Geflügelfleisch seitdem um das Siebenfache gestiegen. Etwa 12 Kilogramm verzehren wir heute pro Jahr und Nase, das ist knapp ein Fünftel unseres gesamten Fleischkonsums.
Gute Gründe dafür gibt es etliche: Das Fleisch ist zart, mild im Geschmack, bekömmlich und relativ einfach zuzubereiten. Es ist konfessions- und generationsübergreifend beliebt, also auch in der Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung Everybodys Darling. Und vor allem ist es in den letzten Jahrzehnten vom Luxusgut zu einem relativ preiswerten Lebensmittel geworden. Das liegt natürlich primär an den Zuchterfolgen und der Effizienz moderner Mastmethoden. Denn das Gros des Angebotes stammt ja nicht aus Bio- oder Freilandhaltung, sondern aus den sogenannten konventionellen Betrieben mit großen Ställen. Die sich jedoch bei uns im internationalen Vergleich eher als Klein- und Mittelbetriebe ausnehmen. Denn während ein Geflügelbauer in Österreich durchschnittlich 24.000 Hühner hält, sind es in den großen Geflügelfarmen in Deutschland, den USA und Brasilien oft 500.000 und mehr. Und Österreich hat zudem weltweit eine der niedrigsten Besatzdichten mit einem Limit von 30 Kilogramm pro Quadratmeter Stallfläche. Die Hühner haben damit wesentlich mehr Platz zur Verfügung als andernorts, wo bis zu 40 Prozent mehr Tiere auf den vergleichbaren Flächen gehalten werden.
Seit 2008 müssen in den österreichischen Geflügelställen auch verpflichtend große Fenster eingebaut werden, die Tiere werden dadurch großzügig mit Tageslicht versorgt. Viel Frischluft, ein ausgewogenes Klima und eine natürliche, trockene Einstreu sind ebenso wichtig, Strohballen dienen als Beschäftigungsmaterial. Mehrmals am Tag wird im Stall nach dem Rechten gesehen, strenge Hygienemaßnahmen und Kontrollen durch Tierärzte und die Prüfer der AMA sind inzwischen überall Standard. Denn fast die gesamte Branche hat sich in Österreich inzwischen freiwillig dem strengen Regelwerk des AMA Gütesiegels unterworfen. Die Ergebnisse der permanenten Kontrollen werden in einer weltweit einzigartigen, zentralen Datenbank verwaltet, womit der Gesundheitszustand der Tiere lückenlos evident und nachvollziehbar wird.

Gentechnikfrei. Während sich die Haltungsbedingungen in Österreich primär an Tierwohl und Tiergesundheit orientieren, ist das Futter natürlich auch besonders relevant für die geschmacklichen Qualitäten unserer Hendl. Je nach Altersklasse der Hühner kommen daher in der Mast unterschiedliche Futtermischungen zum Einsatz. In erster Linie fressen die Tiere sowohl in den konventionellen Betrieben wie auch den Bio-Betrieben Mais und Getreide aus der jeweiligen Region, oft sogar vom eigenen Hof. Und immer ist dieses Futter gentechnikfrei, denn – wie sonst nirgendwo in Europa – haben sich die heimischen Geflügelbauern flächendeckend verpflichtet, vollkommen gentechnikfrei zu füttern. Der Einsatz von Leistungsförderern in der Mast ist in Österreich sowieso verboten, Antibiotika dürfen nur aus veterinärmedizinischen Gründen verabreicht werden, mit dem AMA-Gütesiegelprogramm werden all diese Auflagen regelmäßig kontrolliert. Das alles macht Österreich daher zu einem Vorreiter in der Geflügelmast, aber auch zu einem relativ teuren Produktionsstandort. Die große Nachfrage nach günstigen Hendln und Pute kann daher mit heimischem Geflügelfleisch alleine nicht gedeckt werden. Denn die höheren Kosten in der Aufzucht und Mast sowie die strengsten Tierschutzauflagen in der EU schlagen natürlich auch auf den Preis durch – selbst wenn dieser immer noch sehr demokratisch bleibt. Aber Qualität sollte uns an der Kassa im Supermarkt auch ein paar Cent pro Portion mehr wert sein.